Phoniatrics

​Leitung Forschung:

​Dr. phil. M. Brockmann-Bauser MSc
Curriculum Vitae (PDF)

​Mitarbeitende:

​Stephanie Diehl, MA SPLA
Cand. med. Ruth Hangartner
Dr. med. Evelin Kovacs-Sipos
Anke Langenfeld, MSc, Doktorandin
Cand. med. Silvan Marti
Dr. med. Stephanie Reetz
Lydia Stappenbeck, MSc
Ursula Vith, Speech Pathologist

Überblick

In der Abteilung Phoniatrie und Klinische Logopädie unter der ärztlichen Leitung von KD Dr. med. J. Bohlender arbeitet ein interdisziplinäres Team aus Fachärzten für Phoniatrie und Otorhinolaryngologie und Klinischen Logopädinnen an verbesserten Möglichkeiten zur Diagnostik und Behandlung von Patienten mit Schluck- und Stimmstörungen. Die Arbeitsgruppe pflegt intensiven Austausch mit anderen nationalen und internationalen Forschergruppen und betreut akademische Qualifikationsarbeiten in der Medizin, Logopädie, Patholinguistik, Physiotherapie und biomedizinischen Wissenschaften.

Schwerpunkte in der angewandten Forschung sind die strukturierte Erhebung subjektiver Symptome mittels Fragebögen bei Patienten mit Schluck- und Stimmstörungen sowie der Nachweis von Behandlungseffekten. Die Grundlagenforschung umfasst Projekte zur Optimierung von computergestützten instrumentellen akustischen Analysen der menschlichen Stimme in der Diagnostik von Stimmstörungen.

Schwerpunkt Fragebögen zur Erhebung subjektiver Symptomen bei Schluck- und Stimmstörungen

Cross validation of the german version of the Dysphagia Handicap Index (DHI) and the German Sydney Swallow Questionnaire (SSQ)

M. Brockmann-Bauser, U. Vith, J. Bohlender
Die allgemeine Lebensqualität von Patienten mit Schluckstörungen ist nachweislich eingeschränkt und sinkt proportional zum Grad der Schluckstörung. Somit ist die schluckspezifische Lebensqualität Schlüsselkriterium zur Planung und Evaluation einer Behandlung. Bisher steht in deutscher Sprache nur der MD Anderson Dysphagia Inventory (MDADI) Fragebogen zur standardisierten Erhebung von schluckbezogenen Beschwerden zur Verfügung.

Die schluckspezifischen Fragenbögen Sydney Swallow Questionnaire (SSQ) und Dysphagia Handicap Index (DHI) wurden an der Abteilung Phoniatrie und Klinische Logopädie transkulturell aus dem Englischen übersetzt. Die klinische Anwendbarkeit und Reliabilität der ersten deutschen Versionen wurde in 2013 bis 2014 vorwiegend an Patienten mit organischen Schluckstörungen getestet. Die Studienergebnisse deuten auf eine hohe Reliabilität und gute klinische Anwendbarkeit hin. Aktuell wird die Validität und Reliabilität beider Fragebögen an einem Kollektiv von 220 Patienten mit organischen, neurogenen und funktionellen Schluckstörungen überprüft.

Korrelation von subjektiven Einschränkungen beim Schlucken mit instrumentellen Untersuchungsergebnissen bei Patienten mit neurogenen Schluckstörungen

E. Kovacs,J. Bohlender, M. Brockmann-Bauser
Die allgemeine Lebensqualität von Patienten mit Schluckstörungen sinkt proportional zum Grad der Schluckstörung. Bisher ist jedoch nicht untersucht, wie das subjektiv beschriebene Handicap mit objektiv festgestellten Einschränkungen der Schluckfunktion zusammenhängen. Mit dieser Studie wird untersucht, wie subjektive Beschwerden gemäss  Sydney Swallow Questionnaire (SSQ) und Dysphagia Handicap Index (DHI) und objektive mittels fiberoptisch endoskopischer Evaluation des Schluckaktes (FEES) erhobene Einschränkungen der Schluckfunktion bei Patienten mit Schluckstörungen neurogener Ursache zusammenhängen.

Übersetzung und Validierung der ersten Deutschen Version des Vocal Fatigue Index (VFI)

L. Stappenbeck, J. Bohlender, M. Brockmann-Bauser
Patienten mit Stimmstörungen weisen häufig eine subjektive Stimmermüdung oder eine reduzierte stimmliche Belastbarkeit auf. Bisher gibt es im Deutschen keinen validierten Fragebogen, mit dem sich diese für Stimmerkrankungen spezifischen Symptome strukturiert erheben lassen. Im Englischen wurde hierzu der „Vocal Fatigue Index“ (VFI) entwickelt. Im Rahmen dieser Studie wurde der Vocal Fatigue Index transkulturell aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und erprobt. Anhand eines grösseren Patientenkollektives werden die interne Konsistenz, die Retest-Reliabilität und die Validität der ersten Deutsch Version überprüft.

Schluck- und Stimmstörungen bei Patienten mit einseitigem Stimmlippenstillstand

(Characteristics of dysphagia and dysphonia in patients with unilateral vocal fold paralysis: a retrospective analysis.)

R. Hangartner, S. Reetz, J. Bohlender, M. Brockmann-Bauser
Patienten mit Stimmlippenstillstand weisen unterschiedlich stark ausgeprägte Einschränkungen der Schluck- und Stimmfunktion auf. Bisher ist nicht eindeutig belegt, inwiefern diese mit der Position der gelähmten Stimmlippe korrelieren. Im Rahmen einer retrospektiven Studie wird systematisch untersucht, welche subjektiven und objektiven Einschränkungen der Schluck- und Stimmfunktion bei Patienten mit Stimmlippenstillstand vorliegen.

Schwerpunkt Stimmstörungen

Effekte der Sprechlautstärke auf die instrumentellen diagnostischen Messparameter Cepstral Peak Prominence und Spectral Slope in Frauen mit und ohne Stimmstörungen 

(Effect of Vocal Intensity on Cepstral Peak Prominence and Spectral Slope in Women with and without Voice Disorders)

M. Brockmann-Bauser, J. Bohlender, R. Hillman, J. H. Van Stan, D. Mehta
Instrumentelle akustische Messmethoden wie Smoothed Cepstral Peak Prominence (CPPS) und Spectral Slope basieren auf dem akustischen Spektrum einer menschlichen Stimme und werden zu diagnostischen Zwecken eingesetzt. Bisher konnten für beide Messparameter Zusammenhänge mit hörbarer Heiserkeit und organischen Veränderungen auf Stimmlippenebene nachgewiesen werden. Aktuelle Arbeiten mit anderen auf dem akustischen Spektrum basierten Messparametern wie Harmonics-to-Noise Ratio (HNR) zeigen, dass die individuelle Sprechlaustärke eines Patienten klinische Messergebnisse stark beeinflussen und somit verzerren kann. Bisher wurde noch nicht untersucht, ob ähnliche Effekte auch in Messungen von CPPS und Spectral Slope vorliegen.

In Zusammenarbeit mit dem Center for Laryngeal Surgery and Voice Rehabilitation, Massachusetts General Hospital, Boston MA, USA, wird im Rahmen dieser Studie erstmals untersucht, wie sich die individuelle Sprechlautstärke bei Stimmgesunden und Patienten mit funktionellen und organischen Stimmerkrankungen auf die diagnostischen Parameter CPPS und Spectral Slope auswirkt. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Sprechlautstärke bei beiden Gruppen einen erheblichen Einfluss auf klinische Messergebnisse hat. 

Korrelation zwischen dem Neck Disability Index (NDI) und dem Voice Handicap Index (VHI) bei Patienten mit Nackenschmerzen und Patienten mit Stimmstörungen

(Correlation of the Neck Disability Index (NDI) and Voice Handicap Index (VHI) in neck pain patients and patients with voice disorders)

Anke Langenfeld, J. Swanenburg, J. Bohlender, M. Brockmann-Bauser
Patienten mit Stimmstörungen klagen häufig auch über funktionelle Beschwerden im Hals- und Nackenbereich. Im Rahmen dieser Studie wird untersucht, ob Patienten mit subjektiven Einschränkungen der Stimmfunktion auch Einschränkungen in der Funktion der Nackenmuskulatur aufweisen. Hierfür werden die Zusammenhänge zwischen subjektiven Stimmbeschwerden gemäss Voice Handicap Index (VHI) mit Einschränkungen der Nackenfunktion gemäss Neck Disability Index (NDI) anhand von Patienten mit funktionellen und organisch bedingten Stimmstörungen untersucht.

Projekte in Planung

Einschränkungen der Stimmfunktion wie Heiserkeit und eine verringerte Belastbarkeit betreffen rund 40% der arbeitenden Bevölkerung einmal in ihrem Leben. Dies hat signifikante negative Folgen für die Produktivität und allgemeinen Gesundheitskosten. Des Weiteren können Stimmstörungen erhebliche negative Folgen für die Betroffenen selber nach sich ziehen, wie Einschränkungen im beruflichen Leben bis hin zu finanziellen Problemen aufgrund von Arbeitsunfähigkeit, sowie erheblichen Einschränkungen im Privatleben. Diese Folgen sind häufig mit einer hohen emotionalen Belastung verbunden. Im Rahmen einer internationalen randomisiert kontrollierten Studie in Zusammenarbeit mit der Australian National Catholic University, Brisbane, Australien, soll die Effektivität einer Stimmübungstherapie bei Patienten mit Stimmerkrankungen untersucht werden.

Kooperationen
  • Center for Laryngeal Surgery and Voice Rehabilitation, Massachusetts General Hospital,
    Boston USA (Prof. R. Hillman, Dr. J. H. Van Stan, Dr. D. Mehta)
    Australian National Catholic University, Brisbane, Australien (Prof. Paul Carding)

  • Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit, Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen (Prof. U. Beushausen)

  • Phonetisches Institut Universität Zürich (Prof. V. Dellwo)