Phoniatrie und Klinische Logopädie

​Leitung Forschung:

​Dr. phil. M. Brockmann-Bauser MSc
Curriculum Vitae (PDF)

​Mitarbeitende:

​S. Diehl, MA SPLA
A. Langenfeld, MSc, PhD Candidate
S. Reetz, Dr. med.
D. Schmid, MSc Candidate
L. Stappenbeck, MSc Candidate
S. Steiner, MSc Candidate
U. Vith, Speech Pathologist

Überblick

In der Abteilung Phoniatrie und Klinische Logopädie unter der ärztlichen Leitung von KD Dr. med. J. Bohlender arbeitet ein interdisziplinäres Team aus Fachärzten für Phoniatrie und Otorhinolaryngologie und Klinischen Logopädinnen an verbesserten Möglichkeiten zur Diagnostik und Behandlung von Patienten mit Schluck- und Stimmstörungen. Die Arbeitsgruppe pflegt intensiven Austausch mit anderen nationalen und internationalen Forschergruppen und betreut akademische Qualifikationsarbeiten in der Medizin, Logopädie, Patholinguistik, Physiotherapie und biomedizinischen Wissenschaften.

Schwerpunkte in der angewandten Forschung sind die strukturierte Erhebung subjektiver Symptome mittels Fragebögen bei Patienten mit Schluck- und Stimmstörungen. Die Grundlagenforschung umfasst Projekte zur Optimierung von computergestützten instrumentellen akustischen Analysen der menschlichen Stimme in der Diagnostik von Stimmstörungen.

Projekte - Schwerpunkt Erhebung subjektiver Symptome bei Schluck- und Stimmstörungen

Cross validation of the german version of the Dysphagia Handicap Index (DHI) and the German Sydney Swallow Questionnaire (SSQ)

M. Brockmann-Bauser, U. Vith, J. Bohlender
Die allgemeine Lebensqualität von Patienten mit Schluckstörungen ist nachweislich eingeschränkt und sinkt proportional zum Grad der Schluckstörung. Somit ist die schluckspezifische Lebensqualität Schlüsselkriterium zur Planung und Evaluation einer Behandlung. Bisher steht in deutscher Sprache nur der MD-Anderson-Dysphagia-Inventory-(MDADI)-Fragebogen zur standardisierten Erhebung von schluckbezogenen Beschwerden zur Verfügung.

Die schluckspezifischen Fragenbögen Sydney Swallow Questionnaire (SSQ) und Dysphagia Handicap Index (DHI) wurden an der Abteilung Phoniatrie und Klinische Logopädie transkulturell aus dem Englischen übersetzt. Die klinische Anwendbarkeit und Reliabilität der ersten deutschen Versionen wurde in 2013 bis 2014 vorwiegend an Patienten mit organischen Schluckstörungen getestet. Die Studienergebnisse deuten auf eine hohe Reliabilität und gute klinische Anwendbarkeit hin. Aktuell wird die Validität und Reliabilität beider Fragebögen an einem Kollektiv von 220 Patienten mit organischen, neurogenen und funktionellen Schluckstörungen überprüft.

Korrelation von subjektiven Einschränkungen beim Schlucken mit instrumentellen Untersuchungsergebnissen bei Patienten mit neurogenen Schluckstörungen

D. Schmidt, J. Bohlender, M. Brockmann-Bauser
Die allgemeine Lebensqualität von Patienten mit Schluckstörungen sinkt proportional zum Grad der Schluckstörung. Bisher ist jedoch nicht untersucht, wie das subjektiv beschriebene Handicap mit objektiv festgestellten Einschränkungen der Schluckfunktion zusammenhängen. Mit dieser Studie wird untersucht, wie subjektive Beschwerden gemäss Sydney Swallow Questionnaire (SSQ) und Dysphagia Handicap Index (DHI) und objektive mittels fiberoptisch endoskopischer Evaluation des Schluckaktes (FEES) erhobene Einschränkungen der Schluckfunktion bei Patienten mit Schluckstörungen neurogener Ursache zusammenhängen.

Cross-cultural Adaptation Transgender VHI

S. Steiner, J. Bohlender, M. Brockmann-Bauser
Bei Mann-zu-Frau-Transgender-Patientinnen werden die Sprechstimmlage und der Stimmklang mit unterschiedlichen Methoden im Rahmen der Transition an das weibliche Geschlecht angepasst. Bisher fehlt im Deutschen die Möglichkeit, die für Transgender-Patientinnen spezifischen stimmbezogenen Symptome und Beschwerden strukturiert zu erfassen. Der im Englischen für diese Fragestellungen spezifisch entwickelte „Transgender VHI“ wurde kürzlich in die deutsche Sprache übersetzt. Im Rahmen dieser Studie wird die Reliabilität, Validität und interne Konsistenz der ersten deutschen Version an einem Kollektiv von Mann-Frau-Transgender-Patientinnen überprüft.

Übersetzung und Validierung der ersten deutschen Version des Vocal Fatigue Index (VFI)

L. Stappenbeck, J. Bohlender, M. Brockmann-Bauser
Patienten mit Stimmstörungen weisen häufig eine subjektive Stimmermüdung oder eine reduzierte stimmliche Belastbarkeit auf. Bisher gibt es im Deutschen keinen validierten Fragebogen, mit dem sich diese für Stimmerkrankungen spezifischen Symptome strukturiert erheben lassen. Im Englischen wurde hierzu der „Vocal Fatigue Index“ (VFI) entwickelt. Im Rahmen dieser Studie wird der Vocal Fatigue Index transkulturell aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und erprobt. Anhand eines grösseren Patientenkollektives werden die interne Konsistenz, die Retest-Reliabilität und die Validität der ersten Deutsch-Version überprüft.

Projekte - Schwerpunkt Stimmstörungen

Effekte der Sprechlautstärke auf die instrumentellen diagnostischen Messparameter Jitter und Shimmer in pathologischen Stimmen

(Voice SPL effects on jitter and shimmer in pathologic voices)

M. Brockmann-Bauser, J. Bohlender, R. Hillman, D. Mehta
Gemäss internationalen Richtlinien werden die instrumentellen akustischen Parameter Jitter und Shimmer, welche die prozentuale Abweichung der Tonhöhe und Lautstärke einer menschlichen Stimme messen, im Rahmen der Stimmdiagnostik empfohlen. Bisherige Arbeiten mit Erwachsenen und Kindern zeigten, dass die natürliche individuelle Sprechlautstärke eine erhebliche Störvariable bei der Durchführung von klinischen Jitter- und Shimmer-Messungen ist. Basierend darauf konnten Empfehlungen zur klinischen Standarduntersuchung und Normwerte für das Kindesalter veröffentlicht werden.
In Zusammenarbeit mit dem Center for Laryngeal Surgery and Voice Rehabilitation, Massachusetts General Hospital, Boston MA, wird im Rahmen dieser Studie erstmals untersucht, wie sich die individuelle Sprechlautstärke bei Patienten mit funktionellen und organischen Stimmerkrankungen auf die diagnostischen Parameter Jitter und Shimmer auswirkt. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Sprechlautstärke auch bei Patienten einen erheblichen Einfluss auf klinische Messergebnisse hat.

Akustische, perzeptive und subjektive Veränderungen der Stimmfunktion bei Patienten mit funktionellen Stimmstörungen nach einer direkten Stimmübungstherapie

(Acoustic, perceptual and subjective voice outcomes in patients with muscle tension dysphonia after direct voice therapy)

S. Reetz, J. Bohlender, M. Brockmann-Bauser
Die Aussagekraft und Validität von instrumentellen akustischen Messungen zum Nachweis von Veränderungen der Stimmfunktion bei Patienten mit funktionellen Stimmstörungen wird in der Literatur kontrovers diskutiert. Im Rahmen einer retrospektiven Datenanalyse wird untersucht, welche instrumentellen akustischen, perzeptiven und subjektiven diagnostischen Parameter sich nach Abschluss einer Stimmübungstherapie bei Patienten mit funktionellen Stimmstörungen verbessert haben. Erste Ergebnisse zeigen, dass sich der Umfang der Sprechstimme signifikant verbessert, und dies mit subjektiv verbesserten Beschwerden gemäss Voice Handicap Index (VHI) korreliert.


Korrelation zwischen dem Neck Disability Index (NDI) und dem Voice Handicap Index (VHI) bei Patienten mit Nackenschmerzen und Patienten mit Stimmstörungen

(Correlation of the Neck Disability Index (NDI) and Voice Handicap Index (VHI) in neck pain patients and patients with voice disorders)

Anke Langenfeld, J. Swanenburg, J. Bohlender, M. Brockmann-Bauser
Patienten mit Stimmstörungen klagen häufig auch über funktionelle Beschwerden im Hals- und Nackenbereich. Im Rahmen dieser Studie wird untersucht, ob Patienten mit subjektiven Einschränkungen der Stimmfunktion auch Einschränkungen in der Funktion der Nackenmuskulatur aufweisen. Hierfür werden die Zusammenhänge zwischen subjektiven Stimmbeschwerden gemäss Voice Handicap Index (VHI) mit Einschränkungen der Nackenfunktion gemäss Neck Disability Index (NDI) anhand von Patienten mit funktionellen und organisch bedingten Stimmstörungen untersucht.

Projekte in Planung

Patienten mit Stimmlippenstillstand nach Schilddrüsenoperationen weisen unterschiedlich stark ausgeprägte Einschränkungen der Schluck- und Stimmfunktion auf. Bisher ist nicht eindeutig belegt, inwiefern diese mit der Position der gelähmten Stimmlippe korrelieren. Im Rahmen einer retrospektiven Studie soll ab 2017 systematisch untersucht werden, welche objektiven und subjektiven Einschränkungen der Schluck- und Stimmfunktion bei Patienten mit Stimmlippenstillstand vorliegen.

Die allgemeine Lebensqualität von Patienten mit Schluckstörungen sinkt proportional zum Grad der Schluckstörung. Bisher ist bei Patienten mit Head-and-Neck-Tumoren nicht untersucht, wie das subjektiv beschriebene Handicap mit objektiv festgestellten Einschränkungen der Schluckfunktion zusammenhängen. Im Rahmen einer weiterführenden Studie wird untersucht, wie subjektive Beschwerden gemäss Sydney Swallow Questionnaire (SSQ) und Dysphagia Handicap Index (DHI) und objektive mittels fiberoptisch endoskopischer Evaluation des Schluckaktes (FEES) erhobene Einschränkungen der Schluckfunktion zusammenhängen.

Ausgewählte Publikationen
  • Brockmann-Bauser M, Beyer D, Bohlender JE. Reliable acoustic measurements in children between 5;0 and 9;11 years: Gender, age, height and weight effects on fundamental frequency, jitter and shimmer in phonations without and with controlled voice SPL. International Journal of Pediatric Otorhinolaryngology. 79(12):2035-42, 2015.

  • Brockmann-Bauser M, Beyer D, Bohlender JE. Clinical relevance of speaking voice intensity effects on acoustic jitter and shimmer in children between 5;0 and 9;11 years. International Journal of Pediatric Otorhinolaryngology 78(12):2121-6, 2015.

  • Fujiwara S, Ono T, Minagi Y, Fujiu-Kurachi M, Hori K, Maeda Y, Boroumand S, Nitschke I, Ursula V, Bohlender J. Effect of Supraglottic and Super-supraglottic swallows on Tongue Pressure Production against Hard Palate. Dysphagia 29(6):655-62, 2014.

  • Meerwein C, Laske R, Castiglioni K, Bohlender JE, Huber GF. Secondary voice prosthesis insertion in patients without direct access to the upper esophagus. Laryngoscope 124(2):469-71, 2014.

  • Bohlender J. Diagnostic and therapeutic pitfalls in benign vocal fold diseases. GMS Current topics in otorhinolaryngology, head and neck surgery 12, 2013.

  • Bohlender J. Fehler und Gefahren: Behandlung gutartiger Kehlkopferkrankungen.[Diagnostic and therapeutic pitfalls in benign vocal fold diseases]. Laryngorhinootologie.  Suppl 1:S239-57, 2013.

  • Frenzel H, Bohlender J, Pinsker K, Wohlleben B, Tank J, Lechner SG, Schiska D, Jaijo T, Rüschendorf F, Saar K, Jordan J, Millán JM, Gross M, Lewin GR. A genetic basis for mechanosensory traits in humans. PLoS Biol. 10(5), 2012.

  • Brockmann-Bauser M. Improving Jitter und Shimmer Measurements in Normal Voices. E-Book. Deutscher Bund für Logopädie, Idstein, Schulz-Kirchner Verlag GmbH.

  • Gantenbein AR, Damon-Perrière N, Bohlender JE, Chauveau M, Latxague C, Miranda M, Jung HH, Tison F. Feeding dystonia in McLeod syndrome. Mov Disord. 26(11):2123-6, 2011.

  • Brockmann-Bauser M, Drinnan MJ. Routine acoustic voice analysis: time to think again? Current Opinion in Otolaryngology, Head and Neck Surgery 19(3):165-70, 2011.

  • Brockmann M, Drinnan MJ, Storck C, Carding PN. Reliable jitter and shimmer measurements in voice clinics: the relevance of vowel, gender, vocal intensity and fundamental frequency effects in a typical clinical task. Journal of Voice 25(1):44-53, 2011.

  • Storck C, Fischer C, Cecon M, Schmid S, Gambazzi F, Wolfensberger M, Brockmann M. Hydroxyapatite versus Titanium implant: comparison of the functional outcome after vocal fold medialization in unilateral recurrent nerve paralysis. Head and Neck 32(12):1605-12, 2010.

Kooperationen
  • Center for Laryngeal Surgery and Voice Rehabilitation, Massachusetts General Hospital, Boston, USA (Prof. R. Hillman, Dr. D. Mehta)

  • Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit, Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen (Prof. U. Beushausen)

  • Phonetisches Institut Universität Zürich (Prof. V. Dellwo)