Tinnitus and Auditory Neuroplasticity

​Leitung:

​Prof. Dr. med. Tobias Kleinjung
Dr. med. Nicole Peter-Siegrist

​Mitarbeitende:

​Prof. Dr. med. Rudolf Probst, em
Benjamin Isler, Dissertant
Nuwan Liyanage, Dissertant
Constanze Riha, Dissertantin
David Talaska, Dissertant
Christian Thüring, Dissertant


Überblick

Die Arbeitsgruppe «Tinnitus-Auditorische Neuroplastizität» beschäftigt sich mit der Abklärung und Behandlung von Ohrgeräuschen und Innenohrhörverlust. Neben einer verbesserten Klassifikation soll ein exakteres Verständnis der pathophysiologischen Grundlagen zu individualisierten Behandlungsstrategien führen. www.tinnitus.uzh.ch

Projekt 1

Tinnitus Functional Index: Ein neuer Tinnitus-Fragebogen zur Evaluation einer Therapie

Kooperation:

  • Prof. Dr. B. Mazurek, Dr. phil. Dipl.-Psych. P. Brüggemann, Tinnituszentrum, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Deutschland


Es existieren bereits verschiedene standardisierte Fragebögen, um den Schweregrad eines Ohrgeräusches zu klassifizieren. In Vergangenheit wurden diese Fragebögen auch für die Evaluation von Tinnitus-Therapien verwendet, obwohl diese nicht für diesen Zweck entwickelt wurden. Um dieses Problem zu lösen, wurde 2012 an der Oregon Health and Science University (OHSU) ein neuer Fragebogen, der «Tinnitus Functional Index» (TFI) entwickelt. Den für die Schweiz auf Deutsch übersetzten TFI konnte unsere Forschungsgruppe bereits 2017 validieren (Artikel Link). Gleichzeitig wurde auch der TFI in Deutschland validiert. Die deutschen Versionen für Deutschland und für die Schweiz zeigen jedoch in den einzelnen Fragen leichte semantische Unterschiede. Aus diesem Grund werden im Rahmen einer aktuellen Studie die beiden deutschen Versionen des TFI miteinander verglichen. In Anbetracht der stattfindenden Standardisierung bei der Tinnitus-Evaluation, ist es unser Ziel sich im deutschsprachigem Raum auf einen Fragebogen zu einigen.

Projekt 2

Untersuchung zur hemisphärenspezifischen Dominanz einer einseitig erworbenen, postlingualen Ertaubung und Veränderungen/Plastizität durch die Behandlung mit einem Cochlea Implantat

Kooperation:

  • PD Dr. V. Treyer, Institut für Nuklearmedizin, UniveristätsSpital Zürich
  • PD Dr. G. Mantokoudis, Prof. Dr. Dr. M. Kompis, HNO Klinik und Audiologie, Inselspital, Universität Bern
  • S. Dalal PhD, Center of Functionally Integrative Neuroscience, University of Aarhus, Denmark


Ziel der Studie ist die Untersuchung der hemisphärenspezifischen Auswirkungen einer postlingual erworbenen, einseitigen Ertaubung und deren Veränderungen durch eine Versorgung mit einem Cochlea Implant. Mittels bildgebenden (Positronenemissionstomographie), elektrophysiologischen (Elektroenzephalographie, Magnetenzephalographie) und audiologischen Verfahren soll gezeigt werden, ob sich für die rechstsseitige und die linksseitige erworbene Ertaubung messbare, hemisphärenspezifische Veränderungen der Gehirnfunktion nachvollziehen lassen. In einem zweiten Schritt wird untersucht, ob sich derartige neuroplastische Veränderungen durch die Rehabilitation des tauben Ohres mit einem Cochlea Implant zumindest partiell zurückbilden lassen. Die Studie konnte im Jahr 2017 ebenso bezüglich der Datenerhebung abgeschlossen werden. Derzeit finden an den unterschiedlichen beteiligten Zentren (Zürich, Bern, Konstanz) die aufwendigen Auswertungen statt. Eine erste Publikation konnte im Januar 2020 veröffentlicht werden.

Projekt 3

Evaluation der Wirksamkeit von intratympanal appliziertem STR001 (einem Peroxisome-Proliferator-aktiverter-Rezeptor-gamma-Agonist) bei Hörsturz

Kooperation:

  • Strekin AG, Technologiepark Basel


Unsere Forschungsgruppe begann im Jahr 2017 als Hauptprüfzentrum der Schweiz mit der von der Firma Strekin AG (Basel) initiierten Phase-3-Multizenterstudie zur Evaluation der Wirksamkeit von intratympanal appliziertem STR001 (einem Peroxisome-Proliferator-aktiverter-Rezeptor-gamma-Agonist) bei Hörsturz. Das Medikament soll zum Schutz der Haarzellen im Innenohr vor frühzeitigem Absterben im Rahmen des Hörsturzereignisses beitragen.

Projekt 4

Multifokales Tomographisches Neurofeedback bei älteren Patienten mit chronischem Tinnitus

Kooperation:

  • Prof. Dr. M. Meyer, Institut für Neuropsychologie, Universität Zürich
  • ESIT (European School for Interdisciplinary Tinnitus Research); Tinnitus Research Website, ein von der EU im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprogrammes «Horizon 2020» gefördertes Projekt zur Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern in der Tinnitus-Forschung.


Die im Jahr 2015 in Zusammenarbeit mit dem Psychologischen Institut der Universität Zürich (Prof. Dr. M. Meyer) begonnene erste Studie zur Anwendung von tomographischem Neurofeedback bei Patienten mit chronischem Tinnitus konnte im Jahr 2017 beendet werden. Im Rahmen der Studie wurden 50 Patienten behandelt. Derzeit läuft die umfangreiche Datenauswertung, welche die Grundlage für ein Folgeprojekt darstellt. Dieses widmet sich der Entwicklung eines anhand von individuellen EEG-Daten gewonnenen personalisierten Neurofeedback-Therapieprogramms für chronische Tinnituspatienten.

Seit Januar 2019 hat eine zweite Studie dieser Art mit dem Fokus auf Tinnituspatienten zwischen 50 und 80 Jahren begonnen, welche bis Ende 2020 36 Patienten mit einem erweiterten, multifokalem, tomografischem EEG-Neurofeedback Training behandelt. Durch mehrere EEG- und Fragebogenuntersuchungen und einer strukturellen MRT-Untersuchung werden sowohl neuroanatomische als auch subjektive Einflussfaktoren auf den chronischen Tinnitus und der Wirksamkeit des Neurofeedback-Protokolls untersucht.

Projekt 5

Untersuchungen zur Wirksamkeit einer Cochlear Implantation zur Verbesserung von Tinnitus-Beschwerden

Kooperation:

  • ESIT (European School for Interdisciplinary Tinnitus Research); Tinnitus Research Website, ein von der EU im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprogrammes «Horizon 2020» gefördertes Projekt zur Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern in der Tinnitus-Forschung


Das Cochlea Implant (CI) gilt als eines der erfolgreichsten Instrumente in der Tinnitus-Behandlung. Im Rahmen des oben beschriebenen europäischen Forschungs-Verbundes beschäftigt sich ein Projekt mit der Untersuchung der Wirksamkeit von CI's hinsichtlich von begleitenden Tinnitus-Beschwerden. Gleichzeitig soll durch die weitere Entwicklung eines voll-implantierbaren CI-Systems der Einsatzbereich und die Akzeptanz dieser voll-elektonischen Sinnes-Prothese erweitert werden (in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe Otologie/Biomechanik des Hörens).

Projekt 6

Spektroskopie bei chronischem Tinnitus

Kooperation:

  • Prof. Dr. M. Meyer, Institut für Neuropsychologie, Universität Zürich
  • Dr. Patrick Neff, University Research Priority Program 'Dynamics of Healthy Aging', University of Zurich, Switzerland
  • Dr. Niklaus Zölch, Institute of Forensic Medicine, University of Zurich, Switzerland
  • Dr. Philipp Stämpfli, Department of Psychiatry and Psychotherapy, University of Zurich, Switzerland


Die Entstehung von Tinnitus und warum oder wie er chronifiziert, ist bis heute nicht geklärt. Unser Ziel ist es, das Wissen um die Pathophysiologie - also die Entstehung von Tinnitus - zu erweitern. Während Tinnitus weitestgehend im Ohr beginnt, sind auch Elemente der zentralen Hörbahn im Hirnstamm, sowie der Hörrinde im Gehirn, in der Aufrechterhaltung des Tinnitus beteiligt (1).

Diese neuronalen Netze verändern sich mit der Tinnitus-Wahrnehmung und beeinflussen die Zusammensetzung von Stoffwechselprodukten und Zellen in bestimmten Gebieten des Gehirnes. Es gibt Hinweise darauf, dass Tinnitus auch durch eine fehlende Inhibition (Unterdrückung) von Teilen dieser Netze verursacht wird (2). Diese Inhibition wird durch bestimmte Moleküle (Bsp.: GABA) gesteuert, die man mittels einer Magnetresonanzspektroskopie im Gehirn nachweisen und messen kann.

Unsere Studie vergleicht mit dieser Methode die Konzentration von Stoffwechselprodukten, bei Tinnituspatienten, mit denjenigen von gesunden Freiwilligen. Dies zeigt Unterschiede in der Zusammensetzung und dem Aufbau vom Gehirn bei Tinnituspatienten und nicht betroffenen Personen auf. Zusätzlich werden wir die Hirnsubstanz von Betroffenen und gesunden Vermessen und vergleichen. Auch gehören verschiedene Hörtests zu unserer Untersuchung. Die gesammelten Daten werden uns Rückschlüsse auf mögliche Zusammenhänge der Erkrankung geben können. Sollte sich eine fehlende Inhibition, z.B. durch einen Mangel an bestimmten Molekülen, als Ursache von Tinnitus erweisen, könnte Tinnitus in Zukunft mit Medikamenten therapiert werden.

Kooperationen
  • Prof. Dr. B. Mazurek, Dr. phil. Dipl. -Psych. P. Brüggemann, Tinnituszentrum, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Deutschland
  • PD Dr. V. Treyer, Institut für Nuklearmedizin, UniveristätsSpital Zürich
  • PD Dr. G. Mantokoudis, Prof. Dr. Dr. M. Kompis, HNO Klinik und Audiologie, Inselspital, Universität Bern
  • S. Dalal PhD, Center of Functionally Integrative Neuroscience, University of Aarhus, Denmark
  • Strekin AG, Technologiepark Basel, Basel
  • Prof. Dr. M. Meyer, Institut für Neuropsychologie, Universität Zürich
  • ESIT (European School for Interdisciplinary Tinnitus Research); https://esit.tinnitusresearch.net/, ein von der EU im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprogrammes «Horizon 2020» gefördertes Projekt zur Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern in der Tinnitus-Forschung
  • Dr. Patrick Neff, University Research Priority Program 'Dynamics of Healthy Aging', University of Zurich, Switzerland
  • Dr. Niklaus Zölch, Institute of Forensic Medicine, University of Zurich, Switzerland
  • Dr. Philipp Stämpfli, Department of Psychiatry and Psychotherapy, University of Zurich, Switzerland

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