Herzlich willkommen in der

Tinnitus and Auditory Neuroplasticity

​Leitung:

​Prof. Dr. med. Tobias Kleinjung
​Mitarbeitende:

​Dr. med. Nicole Peter-Siegrist
Dr. med. Colette Hemsley
Prof. Dr. med. Rudolf Probst, em
Dr. med. Cosima Riemenschnitter

Überblick

Die Arbeitsgruppe «Tinnitus-Auditorische Neuroplastizität» beschäftigt sich mit der Abklärung und Behandlung von Ohrgeräuschen und Innenohrhörverlust. Neben einer verbesserten Klassifikation soll ein exakteres Verständnis der pathophysiologischen Grundlagen zu individualisierten Behandlungsstrategien führen.
www.tinnitus.uzh.ch

Projekt 1

Subtypisierung des chronischen Tinnitus (Ohrgeräusch)

Kooperation:
TINNET-Aktion («An Action for Better Understanding the Heterogeneity of Tinnitus to Improve and Develop New Treatments»), einem von der EU im Rahmen des COST-Programmes («European Cooperation in Science and Technology») geförderten Forschungsnetzwerk; tinnet.tinnitusresearch.net

Tinnitus ist ein häufiges Symptom, das in manchen Fällen zu einer signifikanten Beeinträchtigung der Lebensqualität führen kann. Es existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Therapieansätze, von denen manche Patienten profitieren andere jedoch nicht. Dies deutet darauf hin, dass es unterschiedliche Formen von Tinnitus geben muss, die sich in ihrer zugrundeliegenden Pathophysiologie unterscheiden und deshalb in unterschiedlicher Form auf therapeutische Interventionen reagieren. In den letzten Jahrzehnten konnte die Grundlagenforschung entscheidende Beiträge zum Verständnis der Entstehungsmechanismen von chronischem Tinnitus liefern. Dies hat jedoch bisher nicht zur Entwicklung von allgemeingültigen Therapieansätzen geführt, die einer Mehrzahl der Patienten helfen. Ein möglicher Grund für das Scheitern verschiedener Studien liegt in den kleinen Patientenzahlen und der ungenügenden Charakterisierung der einzelnen Studienteilnehmer. Aus diesem Grunde ist es erforderlich, ein standardisiertes Instrument zur Subtypisierung verschiedener Tinnituspatienten zu haben. Unsere Forschungsgruppe beteiligt sich an der Datensammlung der TINNET-Aktion («An Action for Better Understanding the Heterogeneity of Tinnitus to Improve and Develop New Treatments»), einem von der EU im Rahmen des COST-Programmes («European Cooperation in Science and Technology») geförderten Forschungsnetzwerk, welches eine standardisierte Datenbank entwickelte, die eine bessere Subtypisierung der einzelnen Patienten ermöglichen soll. Neben der Datensammlung beschäftigen sich andere Arbeitsgruppen der Aktion unter Mitarbeit von Mitgliedern unserer Arbeitsgruppe mit der Entwicklung internationaler Standards in der neurowissenschaftlichen Bildgebung, der Festlegung einheitlicher Kriterien in der Auswertung eines Therapieerfolges bei Tinnitus-Studien und der Identifikation genetischer Faktoren in der Pathogenese des Tinnitus. Das vierjährige Projekt wird im Jahr 2018 abgeschlossen werden. Eine Nachfolge-Aktion befindet sich in Planung.

Projekt 2

Tinnitus Functional Index: Ein neuer Tinnitus-Fragebogen zur Evaluation einer Therapie

Kooperation:
  • Prof. Dr. B. Mazurek, Dr. phil. Dipl. -Psych. P. Brüggemann, Tinnituszentrum, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Deutschland

Es existieren bereits verschiedene standardisierte Fragebögen, um den Schweregrad eines Ohrgeräusches zu klassifizieren. In Vergangenheit wurden diese Fragebögen auch für die Evaluation von Tinnitus-Therapien verwendet, obwohl diese nicht für diesen Zweck entwickelt wurden. Um dieses Problem zu lösen, wurde 2012 an der Oregon Health and Science University (OHSU) ein neuer Fragebogen, der «Tinnitus Functional Index» (TFI) entwickelt. Den für die Schweiz auf Deutsch übersetzten TFI konnte unsere Forschungsgruppe bereits 2017 validieren (Artikel Link). Gleichzeitig wurde auch der TFI in Deutschland validiert. Die deutschen Versionen für Deutschland und für die Schweiz zeigen jedoch in den einzelnen Fragen leichte semantische Unterschiede. Aus diesem Grund werden im Rahmen einer aktuellen Studie die beiden deutschen Versionen des TFI miteinander verglichen. In Anbetracht der stattfindenden Standardisierung bei der Tinnitus-Evaluation, ist es unser Ziel sich im deutschsprachigem Raum auf einen Fragebogen zu einigen.

Projekt 3

Untersuchung zur hemisphärenspezifischen Dominanz einer einseitig erworbenen, postlingualen Ertaubung und Veränderungen/Plastizität durch die Behandlung mit einem Cochlea Implantat

Kooperation:

  • Prof. Dr. A. Buck, PD Dr. V. Treyer, Institut für Nuklearmedizin, UniveristätsSpital Zürich
  • PD Dr. G. Mantokoudis, Prof. Dr. Dr. M. Kompis, HNO Klinik und Audiologie, Inselspital, Universität Bern
  • S. Dalal PhD, Center of Functionally Integrative Neuroscience, University of Aarhus, Denmark

    Ziel der Studie ist die Untersuchung der hemisphärenspezifischen Auswirkungen einer postlingual erworbenen, einseitigen Ertaubung und deren Veränderungen durch eine Versorgung mit einem Cochlea Implant. Mittels bildgebenden (Positronenemissionstomographie), elektrophysiologischen (Elektroenzephalographie, Magnetenzephalographie) und audiologischen Verfahren soll gezeigt werden, ob sich für die rechstsseitige und die linksseitige erworbene Ertaubung messbare, hemisphärenspezifische Veränderungen der Gehirnfunktion nachvollziehen lassen. In einem zweiten Schritt wird untersucht, ob sich derartige neuroplastische Veränderungen durch die Rehabilitation des tauben Ohres mit einem Cochlea Implant zumindest partiell zurückbilden lassen. Die Studie konnte im Jahr 2017 ebenso bezüglich der Datenerhebung abgeschlossen werden. Derzeit finden an den unterschiedlichen beteiligten Zentren (Zürich, Bern, Konstanz) die aufwendigen Auswertungen statt. Mit den Ergebnissen darf im Jahr 2018 gerechnet werden.
Projekt 4

Evaluation der Wirksamkeit von intratympanal appliziertem STR001 (einem Peroxisome-Proliferator-aktiverter-Rezeptor-gamma-Agonist) bei Hörsturz

Kooperation:

  • Strekin AG, Technologiepark Basel

Unsere Forschungsgruppe begann im Jahr 2017 als Hauptprüfzentrum der Schweiz mit der von der Firma Strekin AG (Basel) initiierten Phase-3-Multizenterstudie zur Evaluation der Wirksamkeit von intratympanal appliziertem STR001 (einem Peroxisome-Proliferator-aktiverter-Rezeptor-gamma-Agonist) bei Hörsturz. Das Medikament soll zum Schutz der Haarzellen im Innenohr vor frühzeitigem Absterben im Rahmen des Hörsturzereignisses beitragen.

Projekt 5

Tomographisches Neurofeedback bei Patienten mit chronischem Tinnitus

Kooperation:

  • Prof. Dr. M. Meyer, Institut für Neuropsychologie, Universität Zürich

ESIT (European School for Interdisciplinary Tinnitus Research); Tinnitus Research Website, ein von der EU im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprogrammes «Horizon 2020» gefördertes Projekt zur Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern in der Tinnitus-Forschung.

Die im Jahr 2015 in Zusammenarbeit mit dem Psychologischen Institut der Universität Zürich (Prof. Dr. M. Meyer) begonnene erste Studie zur Anwendung von tomographischem Neurofeedback bei Patienten mit chronischem Tinnitus konnte im Jahr 2017 beendet werden. Im Rahmen der Studie wurden 50 Patienten behandelt. Derzeit läuft die umfangreiche Datenauswertung, welche die Grundlage für ein Folgeprojekt darstellt. Dieses widmet sich der Entwicklung eines anhand von individuellen EEG-Daten gewonnenen personalisierten Neurofeedback-Therapieprogramms für chronische Tinnituspatienten.

Projekt 6

Untersuchungen zur Wirksamkeit einer Cochlear Implantation zur Verbesserung von Tinnitus-Beschwerden

Kooperation:
ESIT (European School for Interdisciplinary Tinnitus Research); Tinnitus Research Website, ein von der EU im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprogrammes «Horizon 2020» gefördertes Projekt zur Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern in der Tinnitus-Forschung

Das Cochlea Implant (CI) gilt als eines der erfolgreichsten Instrumente in der Tinnitus-Behandlung. Im Rahmen des oben beschriebenen europäischen Forschungs-Verbundes beschäftigt sich ein Projekt mit der Untersuchung der Wirksamkeit von CI's hinsichtlich von begleitenden Tinnitus-Beschwerden. Gleichzeitig soll durch die weitere Entwicklung eines voll-implantierbaren CI-Systems der Einsatzbereich und die Akzeptanz dieser voll-elektonischen Sinnes-Prothese erweitert werden (in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe Otologie/Biomechanik des Hörens).

Publikationen
 
Zum Seitenanfang